Gemeinsam für mehr Lebensqualität am Lebensende
Bereits am 1. März 2025 wurde am Klinikum Altmühlfranken am Standort Gunzenhausen ein Palliative-Care-Dienst etabliert und damit ein weiterer wichtiger Schritt in der umfassenden Versorgung schwerstkranker Menschen an deren Lebensende beschritten. Während sich am Standort Weißenburg bereits seit langer Zeit ein palliativmedizinischer Dienst einfühlsam und professionell um Schwerstkranke kümmert, profitieren nun auch Patienten in Gunzenhausen von diesem spezialisierten Angebot. Beide Dienste werden von den Betroffenen und ihren Angehörigen mit großer Dankbarkeit angenommen und als große Hilfe und Entlastung in einer sehr herausfordernden Lebenssituation empfunden.
Starke Belastung für Angehörige schwerstkranker Menschen
Gerade für Angehörige todkranker Menschen stellt die niederschmetternde Diagnose und die damit einhergehende psychische Situation oftmals eine kaum zu stemmende Herausforderung dar: Welche Anträge und Formulare müssen ausgefüllt werden, um Hilfe zu bekommen? Wie kann ich in dieser schweren Situation eine Stütze sein, ohne selbst zu zerbrechen? Was, wenn ich meinen Angehörigen zuhause nicht pflegen kann, ihm jedoch den Wunsch erfüllen möchte, im eigenen Heim sterben zu dürfen? Diese und viele weitere Fragen können Angehörige jederzeit an das interdisziplinär zusammenarbeitende Team an den Standorten Weißenburg und Gunzenhausen richten. Nicht nur ihre Fragen werden beantwortet – Patienten wie deren Begleiter erhalten die Hilfe, die sie brauchen.
Palliative Care – was bedeutet das?
Palliative Care richtet sich an Menschen mit einer unheilbaren, fortschreitenden Erkrankung. Ziel ist es, ihre Lebensqualität zu verbessern und Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit, Atemnot und Ängste zu lindern. Im Mittelpunkt steht nicht die Verlängerung des Lebens, sondern das Erreichen größtmöglichen Wohlbefindens – körperlich, seelisch, sozial und spirituell.
Der neue Palliative-Care-Dienst in Gunzenhausen arbeitet interdisziplinär und eng vernetzt: Zum Team gehören speziell weitergebildete Palliative-Care-Pflegefachkräfte, Therapeutinnen und Therapeuten, der Sozialdienst, Seelsorger Martin Seefried, der Hospizverein Altmühlfranken sowie zwei ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen, die sich zweimal pro Woche um die Patienten kümmern. Gemeinsam setzen sie sich dafür ein, die Schwerstkranken individuell zu begleiten, sie zu entlasten und ihren Angehörigen in dieser schwierigen Zeit beizustehen.
Auch die Zusammenarbeit mit dem Ärztlichen Direktor des Klinikums Altmühlfranken, Dr. Christian Maune, ist von großer Bedeutung für das ganze Palliativ-Team: Mit ihm steht ein sehr erfahrener Palliativmediziner beratend zur Seite und unterstützt konsiliarisch bei allen medizinischen Fragestellungen.
Ein zentrales Anliegen vieler Betroffener ist der Wunsch, die letzte Lebensphase zu Hause verbringen und auch dort sterben zu dürfen. Das Team in Gunzenhausen kann diesen Wunsch in den allermeisten Fällen erfüllen – durch sorgfältige Planung, enge Abstimmung mit Hausärzten und ambulanten Diensten sowie viel menschlichem Einfühlungsvermögen. Klappt dies in Ausnahmefällen nicht, wird die weitere Versorgung direkt im Klinikum geklärt. „Wir sind auch die Schnittstelle zu den Hospizen in der näheren Umgebung und zur SAPV Südfranken („Spezialisierte Ambulante Palliativ Versorgung“), erklärt Teamleiter Tim Schletterer. „Auch die Angehörigen sind von der ersten Minute an im Boot; wir leiten sie auch explizit an, damit sie sich in der schweren Situation nicht alleingelassen fühlen“, so Schletterer weiter.
„Wir sind sehr dankbar, dass wir diesen Dienst nun auch in Gunzenhausen anbieten können“, so Pflegedirektorin Sonja Roth. „Palliative Care bedeutet für uns: Den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen – mit all seinen Bedürfnissen, Ängsten und Hoffnungen. Dass wir das nun an beiden Standorten des Klinikums in dieser Qualität leisten können, ist ein großer Gewinn für unsere Region“, meint Roth.
Ansprechende Zimmer mit Blick ins Grüne
Angst vor einem anonymen Sterben im Krankenhaus müsse niemand zu haben, meint Teamleiter Tim Schletterer. Durch sein langes Wirken im Intensivbereich weiß Schletterer, wie nah Leben und Tod beieinanderliegen und wie wichtig ein menschenwürdiges Sterben ist. „Wir versuchen, unseren Patientinnen und Patienten den Aufenthalt in unserem Klinikum so angenehm wie möglich zu machen. Neben Schmerzlinderung stehen viele weitere Möglichkeiten zur Verfügung, Angst zu nehmen und für Entspannung zu sorgen“, erklärt Schletterer.
Ein Hilfsmittel ist das Klang-Ei, dessen Musik und Schwingungen für Entspannung sorgen sollen. Dieses unscheinbar wirkende „Ei“ stößt auch im Klinikum bei nahezu allen Patienten und deren Angehörigen auf großen Zuspruch und war ein Geschenk des Hospizvereins Altmühlfranken zur Etablierung des Palliative-Care-Dienstes in Gunzenhausen. Koordinatorin Sandra Meyer vom Hospizverein lobt das große Engagement und hebt die große Patientenzufriedenheit hervor.
Auch die Zimmer mit Blick ins Grüne sind hell und freundlich gehalten; auf Wunsch werden Aromaölmassagen angeboten oder die engagierten ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen Renate Ermer und Silvia Melhorn spielen den Patienten auf der Veeh-Harfe vor.
Und wenn der geliebte Mensch verstorben ist? Angehörige haben im hauseigenen Verabschiedungsraum die Möglichkeit, sich in aller Stille zu verabschieden. „Ein pietätvoller Abschied hat für uns oberste Priorität“, meint Pflegedirektorin Sonja Roth beim Zeigen des würdevoll gestalteten Aussegnungsraumes.
- Palliative-Care-Fachkraft Christina Schmidt und Pflegedirektorin Sonja Roth freuen sich, dass durch die Unterstützung des Palliativ-Teams Patientinnen und Patienten an deren Lebensende mehr Lebensqualität geschenkt werden kann. Auch die Räumlichkeiten sind hell, freundlich und mit Blick ins Grüne gestaltet.
- Die Anwendung des Klang-Ei in der Palliativmedizin basiert auf der Wirkung von Klang und Schwingungen auf den Körper und Geist. Es soll Patienten in der letzten Lebensphase Trost und Entspannung senden und war ein Geschenk des Hospizvereins Altmühlfranken an das Klinikum.
- Im Abschiedsraum können sich Angehörige würdevoll und in Ruhe von ihren Lieben verabschieden.





